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“Quo vadis, Europa?”: Spannende Diskussionsveranstaltung mit Manfred Zöllmer!

// Februar 13th, 2012 // No Comments » // Aktuelles, Arbeitskreis Europa und Internationales, Veranstaltungen

Für den 31.1.2012 hatten die Jusos Wuppertal MdB Manfred Zöllmer eingeladen, um über die drängenden Probleme der Eurokrise und der Zukunft Europas zu sprechen. In der gut zweistündigen Veranstaltung wurde über die Ursachen und die Folgen der Eurokrise diskutiert. Außerdem wurde das bisherige Krisenmanagement der Regierung kritisch unter die Lupe genommen. Mehr… (weiterlesen …)

“Quo vadis, Europa?”: MdB Manfred Zöllmer zu Gast bei den Wuppertaler Jusos

// Januar 24th, 2012 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles, Arbeitskreis Europa und Internationales, Veranstaltungen

Der AK Europa/Internationales der Jusos Wuppertal lädt am 31.1.2012 zu einer Diskussionsveranstaltung mit unserem Wuppertaler Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer. Thema der Veranstaltung ist die Euro-Krise, sowie die Zukunft der Europäischen Union.

Eurokrise, EFSF, ESM, Hebel, Haircut: Man kann sich mittlerweile keinen Tag mehr vorstellen, an denen es keine neuen Hiobsbotschaften in Sachen “Euro-Rettung” gibt. Doch wie steht es um die Gemeinschaftswährung? Ist die europäische Integration gescheitert?  Wie ist überschuldeten Ländern noch zu helfen? Steht eine zweite Finanzkrise bevor?

Die Mächtigen Europas versuchen Zeit zu gewinnen, indem sie von Gipfel zu Gipfel eilen, doch durchschlagenden Erfolg hatte bisher noch keine der “Lösungen”. Mehr und mehr Geld wird nun ins Finanzsystem gepumpt. Die Folgen: unklar. Europa und der Euro stehen wohl vor ihrer der größten Bewährungsprobe.

Viele Fragen tun sich deshalb auf. Ebensoviele Lösungsmöglichkeiten scheint es zu geben. Der AK Europa/Internationales hat sich diesbezüglich Verstärkung geholt: Manfred Zöllmer wird am 31.1.2012 Rede und Antwort stehen und sicherlich viele neue und interessante Informationen aus dem Berliner Politikbetrieb mitbringen.

Manfred ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter und unter anderem ordentliches Mitglied im Finanzausschuss, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Außerdem ist er Mitglied der fraktionsinternen Arbeitsgruppe Finanzen, sowie der Arbeitsgemeinschaft Weltwirtschaft. Darüber hinaus ist er Mitglied im Verwaltungsrat und des Haushaltskontroll- und Prüfungsausschusses, Personalkommission der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Es verspricht also ein interessanter Abend zu werden! Alle Interessierten – egal ob Jusos oder Externe – sind herzlich eingeladen, sich an unserer politischen Diskussionsveranstaltung zu beteiligen.

Die Veranstaltung findet am 31.1.2012 im SPD-Forum, Robertstrasse 5a, 42107 Wuppertal statt. Los geht es um 19 Uhr!
Wir freuen uns auf Euch!

Vorstand der Wuppertaler Jusos

AK Europa/Internationales

Kommentar: Zukunftsfähigkeit hängt auch von unterfinanzierten Städten ab

// Januar 14th, 2012 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

„Wissenschaft und Politik“, so lautet eine Vorlesungsreihe an der Ruhr-Universität Bochum, zu der alle Vorsitzenden der im Bundestag vertreten Parteien eingeladen werden. Den Auftakt machte Sigmar Gabriel. Auch zwei Wuppertaler Jusos sind dabei, als der SPD-Chef über Europa, Versäumnisse der Politik und soziale Gerechtigkeit spricht.

Es soll um die politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gehen. Es wird schnell deutlich, dass Sigmar Gabriel das Thema Europa am Herzen liegt. Hier läge die Zukunft. „Europa muss die Interessenvertretung der Bürger in der Welt sein.“ Es sei noch immer ein Friedensgarant. Der SPD-Chef warnt: „Wir dürfen die europäische Einigung nicht verspielen.“

Für Europa fordert der SPD-Chef soziale Mindeststandards, aber auch auf nationaler Ebene gäbe es schon heute einen „gespaltenen Arbeitsmarkt“. „Gut Ausgebildete bekommen die Jobs hinterher geworfen. Und dann gibt es solche, die einfach keine Arbeit finden“, stellt er klar. Aufgrund der fehlenden Kinderbetreuungsplätze seien auch viele Frauen von Arbeitslosigkeit oder ungewollter Teilzeitarbeit betroffen.

Ausbau des U3-Bereichs
Damit spricht der Parteichef ein Problem an, dass auch in Wuppertal akut zu werden droht: Um den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch ab dem 1. Lebensjahr erfüllen zu können, bräuchte Wuppertal allein für den U3-Bereich ca. 10 neue Kindertagesstätten. Hinzu kämen die kommunal mitzufinanzierenden laufenden Kosten. „Der Bund muss auch finanziell endlich Verantwortung für seinen politischen Willen zeigen und die Städte entlasten“, so Helge Lindh, stellvertretender Vorsitzender der Wuppertaler Jusos.

Auch Dumping-Löhne verurteilt der ehemalige Ministerpräsident scharf. „Der Arbeitgeber, der die niedrigsten Löhne bezahlt, bekommt die Aufträge, weil er billiger produzieren kann.“ Und weiter: „Es kann nicht sein, dass sich Arbeitende anschließend über Hartz IV die Gelder vom Steuerzahler zurückholen.“ Man dürfe nicht auch noch Armutslöhne subventionieren. Jemand der arbeitet, der soll nicht beim Sozialstaat betteln müssen – das sei menschenunwürdig.

Mehr Nachhaltigkeit
Aber auch im Ohnmachtsgefühl vieler Menschen gegenüber der Politik erblickt er eine Gefahr für die Demokratie. Einerseits verlieren viele Bürger den Glauben daran, dass die Gesellschaft gestaltbar sei. Andererseits nähmen die Wähler Politiker als eine eigene Klasse wahr. „Viele Menschen teilen das Gefühl, dass sie am Ende alleine klar kommen müssen“, betont der Vorsitzende der Sozialdemokraten.

Sigmar Gabriel wirbt für mehr Nachhaltigkeit: „Die Zukunft wird einfach zu gering geschätzt. Fortschritt orientiert sich nur noch am technischen Fortschritt, nicht an sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit.“ „Die Geringschätzung der Zukunft auf Kosten künftiger Generationen ist auch eine kommunale Botschaft“, so Helge Lindh weiter. „Die Zukunftsfähigkeit der Demokratie hängt auch von chronisch unterfinanzierten Städten wie Wuppertal ab.“

Autoren: Anke Schoen, Helge Lindh

Dieser Text erschien auch im Vorwärts, hier geht es zum Artikel.

Euro-Schuldenkrise heute. Und morgen?

// Dezember 27th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles, Arbeitskreis Europa und Internationales

Die aktuelle Arbeitsreihe des Arbeitskreises “Europa und Internationales” befasst sich mit dem Thema der europäischen Krise. Dabei versuchen wir den Entscheidungen der letzten Jahrzehnte auf den Grund zu gehen um Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, die aus unserer Sicht Europa gestärkt aus der Krise führen können.

In der letzten Sitzung befassten wir uns mit den Grundlagen der EU. Was regeln die wichtigen europäischen Verträge Maastricht, Amsterdam und Lissabon? Wie funktioniert die Gesetzgebung in der EU und wie wirken sie sich auf die einzelnen Mitgliedsstaaten aus? Welche Vorteile bietet uns die europäische Integration? Welche Probleme haben die finanziell schwachen Mitglieder?

In zweiten Teil der Veranstaltung betrachteten wir die derzeit in der Öffentlichkeit diskutierten Lösungsansätze zur Schuldenkrise: Den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM, der Europäische Finanz-Stabilitäts Faszilität ESFS, die gemeinsamen Anleihen der europäischen Staaten Eurobonds und die Finanztransaktionssteuer.

Für uns Jusos ist das Ziel klar: Europa kann nicht länger der Spielball der Finanzmärkte bleiben. Die starken Länder müssen den derzeit unter Druck stehenden Staaten unter die Arme greifen. Die Zocker auf den Finanzmärkten, die als Nutznießer der Krise durch hohe Risikoaufschläge reichlich profitieren, müssen sich bei der Bewältigung der Probleme beteiligen. Auch muss die Macht der dominanten US-Ratingagenturen gebrochen werden und mehr Transparenz bei der Bewertung von Finanzprodukten geschaffen werden. Langfristig muss sich die EU zu einer richtigen politischen Union wandeln. Strukturelle Fehler der Vergangenheit, wie z.B. der Verzicht auf einer Wirtschaftsunion trotz gemeinsamer Währung, sind zu korrigieren. Um die Entscheidungen in Europa demokratischer und transparenter zu gestalten, muss die Einflussmöglichkeit des Parlaments gestärkt werden.

In den nächsten Sitzungen der Themenreihe werden wir uns informieren wie genau die Probleme in den einzelnen Staaten und der Struktur der Europäischen Union aussehen. Zum Abschluss ist eine ausführliche Diskussion und eine anschließende Fassung eines Beschlusses geplant, mit der wir unsere Position nach außen tragen wollen.

Interessierte und Gäste sind dazu herzlich eingeladen. Die genauen Termine könnt ihr im Kalender auf unserer Homepage finden.

Infostand in Vohwinkel ein voller Erfolg!

// Dezember 17th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles, Allgemein, Veranstaltungen

Am 10.Dezember haben wir einen Infostand gegen Rechts in Wuppertal – Vohwinkel aufgebaut. Bewaffnet mit jeder Menge Infomaterial, Postern und Aufklebern, haben wir uns an den Eingang des Vohwinkeler Wochenmarktes auf dem Lienhardplatz gestellt und dabei aufklärende Dialoge mit den Bürgerinnen und Bürgern geführt. Die Resonanz war sehr gut und viel Lob gab es natürlich auch für unser Engagement gegen Rechts. Wir als junge und politisch engagierte Menschen Wuppertals, beharren auf der Forderung, dass Nazis in Wuppertal keinen Platz haben dürfen.

Infostand der Jusos Wuppertal gegen Rechts

Wir bedanken uns an dieser Stelle auch bei der Grünen Jugend Wuppertal für ihre Solidarität.

Es werden weitere Aktionen gegen Rechts folgen, bei denen wir couragiert aufklären und aufmerksam machen werden.

Alleinerziehend aber nicht allein – Neues Netzwerk für Alleinerziehende

// Oktober 19th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Pressemitteilung

Alleinerziehend aber nicht allein

Geldsorgen, Probleme bei der Kinderbetreuung, schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt – Alleinerziehende und ihre Kinder haben es in der Regel nicht leicht. Deshalb begrüßen es die Jusos Wuppertal, dass im Stadtgebiet eine neue Anlaufstelle für Alleinerziehende eingerichtet wird.

Deutschlandweit sind 18 Prozent aller Familien betroffen: Ein Elternteil kümmert sich alleine um den Nachwuchs. Mehr als zwei Millionen Kinder unter 18 Jahren wachsen nur mit Vater oder Mutter auf. Laut einer aktuellen Umfrage gibt es in Wuppertal 8.600 Alleinerziehende. Die überwiegende Mehrheit sind Frauen. Mehr als 50 Prozent, 4400 der Befragten, erhalten Hartz IV. Wuppertal liegt somit unter dem Bundesdurchschnitt. Hier liegt die Erwerbsquote von Alleinerziehenden bei 61 Prozent. „Kinderarmut hängt in hohem Maße von der Familienstruktur ab. Kinder von Alleinerziehenden sind in besonderem Maße betroffen“, führt Alexander Hobusch aus.

Neues Netzwerk für Alleinerziehende

Deshalb ist es auch besonders wichtig, dass die Stadt Wuppertal den Handlungsbedarf erkannt hat. Das neu ins Leben gerufene Wuppertaler Netzwerk für Alleinerziehende soll die unterschiedlichen Angebote für Betroffene koordinieren und so Synergien erzeugen. Trotzdem müsse noch mehr geschehen. Alleinerziehende haben mit einer erheblichen Mehrbelastung zu kämpfen. Die Organisation des Alltags ist für sie mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Haushaltsführung, Kindererziehung und die Sicherung des finanziellen Einkommens stellen Alleinerziehende vor große Herausforderungen. Eine prekäre oder keine Beschäftigung wirkt sich negativ auf die spätere Rente aus. Viele möchten gerne wieder arbeiten, haben aber oftmals größere Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

„Die direkte und indirekte Unterstützung von Alleinerziehenden muss verbessert werden. Sonst geraten Alleinerziehende und deren Kinder rasch in einen sozialen Teufelskreis“, so Alexander Hobusch weiter. Familie und Beruf müssen besser miteinander zu vereinbaren sein. Außerdem müssen die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren weiter verbessert werden. „Die Politik muss best mögliche Ausgangsbedingungen schaffen, damit sich mehr junge Menschen entschließen, Eltern zu werden“, so Helge Lindh abschließend.

In tiefer Trauer.

// Juli 24th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

Die Jusos Wuppertal sind in geschockt und tiefer Trauer um die Ereignisse in Oslo und auf der Insel Utøya . Unser Mitgefühl geht den Angehörigen und Überlebenden dieses Massenmord.

Auf der Insel Utøya hat ein Jugendcamp unserer Schwesterorganisation AUF stattgefunden. Dort haben sozialdemokratische Jugendliche gemeinsam diskutiert und gefeiert. Es ist einfach unfassbar. Aber unsere Internationale Bewegung lässt sich nicht durch solche Mörder einschüchtern und um es mit den Worten des Norwegischen Ministerpräsident Jens Stoltenberg zu sagen: “Unser Antwort auf Gewalt ist: Noch mehr Demokratie, noch mehr Offenheit”!

Also lasst uns weiter für eine tolerante, gerechte und friedliche Welt eintreten. Jetzt erst recht!

Am heutigen Abend brechen 7 Wuppertaler Genossinnen und Genossen auf nach Österreich, wo das diesjährige IUSY World Festival stattfindet. Die IUSY (International Union of Socialist Youth) ist der Internationale Zusammenschluss von sozialistischen und sozialdemokratischen Jugend Organisationen aus über 100 Staaten der Welt. Aus Deutschland gehören die Jusos und die Falken der IUSY an. Auf dem Festivals wird gemeinsam diskutiert, Sport getrieben und gefeiert. Dieses Jahr wird es sehr unter dem Einfluss der Ereignisse aus Norwegen stehen. Wir stehen solidarisch an der Seite unser Norwegischen Genossinnen und Genossen.

Unser Kampf geht weiter!

„Parteireform ist, was du draus machst!“

// Juni 17th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

Ein Kommentar von Jan Philipp Peter.

Die Debatte über die geplante Parteireform wird mittlerweile fast überall geführt, doch was bedeutet das überhaupt? Und über was diskutieren wir da überhaupt?

Es macht den Eindruck, als diskutiere/streite man in Berlin (oder auch in der SPD im Allgemeinen?) lieber über Parteireformen als über Inhalte. Es ist auch einfacher, den schwarzen Peter einfach weiterzuschieben. Das ist die Kultur der SPD geworden: Immer waren es die anderen.

Ich persönlich sehe in diesem plötzlichen Aktionismus nur einen weiteren Beleg dafür, dass etwas in der SPD grundlegend schief läuft. Mit einer Parteireform wird man die Probleme an vielen Stellen einfach nicht lösen können. Vielmehr wirft man eine Lösung in den Raum, ohne die eigentlichen Probleme zu kennen. Beliebt sind solchen reflexartigen Ideen sind ja die Quoten. Wir haben dann also vielleicht bald eine Migranten- und Frauenquote bei Funktionären und Mandatsträgern.

Sollte man sich nicht viel eher fragen, warum die Mitgliedschaft und Mitarbeit in der SPD für diese beiden Gruppen aktuell unattraktiv ist? Erst wenn man diese Gründe kennt, kann man an diesem Punkt arbeiten. Aber ich gebe zu: Wenn man mal eben eine Quote einführt, muss man nicht nachdenken und nicht das Gespräch mit den Betroffenen suchen.

Man sollte sich meiner Meinung nach darauf besinnen, was unsere Partei überhaupt ausmacht (oder ausmachen sollte).
Für den Alltag der meisten Mitglieder ist es doch völlig irrelevant, welche Quoten es für irgendwelche Gesellschaftsgruppen gibt oder wie groß irgendwelche Gremien in Berlin sind.

Immer wieder beschwört man den Status der Ortsvereine als Basis der Partei. Der Ort der Meinungsbildung. Hört sich doch super an. Doch wie sieht die Realität aus?

Wenn Ortsvereine überhaupt aktiv sind, wird in Stammtischmanier diskutiert. Das was der Parteivorstand als Parteilinie vorzugeben versucht, stammt doch ehrlich betrachtet in den seltensten Fällen aus inhaltlicher Arbeit in irgendeinem Ortsverein. Das ist schon lange Sache intransparenter „Think Tanks“.

Und selbst bei der geplanten Umstrukturierung geht der Parteivorstand, der ja so viel verändern möchte, mit denkbar schlechtem Beispiel voran: Anstatt Mitglieder aktiv in den Prozess der Veränderung einzugliedern wird hinter geschlossenen Türen diskutiert und alles über die Presse kommuniziert. Bis heute ist für das ottonormal-Mitglied nicht mehr über die Vorhaben zu erfahren als es die Tageszeitungen und Magazine hergeben. Und das ist auch traurige Realität bei anderen Themen: Was in der SPD passiert, erfährt man zuerst von den Medien.

Ich weiß, welcher Einwand jetzt von der Parteispitze kommt: Man habe ja diesmal die „Basis“ integrieren wollen. Es gab ja ein Treffen, an dem ja örtliche Funktionäre hätten teilnehmen können (was aber nur die wenigsten getan haben). Aber:
Ich kann doch nicht ernsthaft von den Funktionären, die seit je her von den verfahrenen Parteistukturen profitieren und ohne Probleme mit ein bisschen Klüngelei ihre Posten halten konnten, eine Diskussion über Ihre eigene Entmachtung führen lassen. Die Kritik an dem Vorhaben, die Gremien aus Bundesebene zu verkleinern, stieß deshalb ja auch nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den betroffenen Personen. Anstatt sich konstruktiv zu beteiligen fiel die Reaktion häufig wie „Was, unser Posten fällt weg? Dagegen!“ aus. Da hätte man sich das Treffen auch direkt sparen können.

Ansich ist es mir völlig egal, ob es irgendwelche Leute gibt, die Ihre Macht behalten möchten. Mir ist es egal, ob der Parteivorstand 45, 20 oder 400 Mitglieder hat. Was mir aber nicht egal ist: Wenn diese Funktionäre meine persönliche Parteiarbeit verhindern, nur um Ihre Macht zu erhalten. Und es ist ja wohl völlig klar, dass Nahles und Gabriel sich nicht selbst entmachten möchten. Vielmehr stärken sie doch durch weniger Stimmen ihr persönliches Gewicht.

Eine „Machtreform von oben“ ist ein Widerspruch in sich, so wünschenswert er sie auch sein mag. Ich finde außerdem, dass „Reform“ ein zu bürokratischer Begriff ist. Es geht um das Miteinander in der Partei. Es muss ein Miteinander geben, das über den Stammtisch hinausgeht. Es muss ein Miteinander geben, das den vielfältigsten Meinungen und Interessen in unserem Land ein Zuhause gibt. Es muss ein Miteinander geben, das einem Parteimitglied mehr als das Gefühl zu geben, man sei nur Geldgeber und Marionette bei Wahlkämpfen.

Dieses Miteinander erreicht man nicht durch einen Beschluss in Berlin oder einen Antrag in Wuppertal. Dieses Miteinander muss gelebt werden. Das bedeutet viel Arbeit. Aber ist nicht jeder von uns Mitglied dieser Partei geworden, um auch etwas zu tun? Warum sich nicht selbst fragen, ob man vielleicht im Weg steht, diese Partei zu verändern und damit deren Erhalt für die nächsten 150 Jahre zu sichern?

Vielleicht schafft man es dann ja tatsächlich, auf kommunaler Ebene den Gedanken des Miteinanders zu etablieren. Dann klappt es wahrscheinlich auch wieder mit neuen Mitgliedern. Was aber viel wichtiger ist: Man verhindert nicht mehr, dass sich Mitglieder engagieren. Zu keiner Zeit denkt man bei der aktuellen Debatte daran, dass bereits jetzt ein erhebliches Potential in den Mitgliederlisten schlummert, das nicht genutzt wird.

Daher finde ich, dass es an uns – an jedem einzelnen Mitglied dieser Partei – gelegen ist, für eine offenere Kultur in vielerlei Hinsicht und damit auch für eine Gemeinschaft zu sorgen. Schließlich sind wir doch alle Mitglied dieser Partei geworden, um etwas zu verändern. Und nicht, um selbst verändert zu werden.

“Parteireform ist lebensnotwendig”

// Juni 17th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

Ein Kommentar von Andreas Helsper.

Seit einigen Wochen diskutieren wir über die geplante Parteireform der SPD. Aber ist diese überhaupt notwendig? Oder sind Inhalte entscheidend, der Rest läuft dann von selbst? Meine Meinung ist klar: Die Parteireform ist für die Sozialdemokratie lebensnotwendig.

Politik verändert sich. Wir haben heute insgesamt gute Sozialversicherungen, deren Einführung war einmal das zentrale Ziel der Partei. Die Amerikaner sind gut, die Russen böse – dieses Weltbild war einmal. Deutschland will und kann in Europa und der Welt mehr gestalten. Die Themen heute sind vielseitig und komplex. Die einen engagieren sich für den Atomausstieg und die Energiewende, die anderen für Menschenrechte und eine gerechtere Weltordnung. Oder für bessere Bildung. Ganz klar, im Grundsatz sozialdemokratisch. Noch vor 30 oder 40 Jahren hatte die SPD das Monopol für diese Themen. Heute konkurrieren wir mit anderen Parteien wie Grüne oder Linken. Und nicht nur das, auch Organisationen wie Amnesty, Attac oder die Kirchen machen soziales und politisches Engagement möglich und nehmen in ihrer Bedeutung zu. Ganz zu schweigen von sozialen Bewegungen wie jetzt für den Atomausstieg. Engagement unkompliziert und ohne starre Strukturen.

Genau deshalb muss die SPD ihre Strukturen öffnen. Der Ortsverein in verrauchten Hinterzimmern ist sicherlich überspitzt, doch kaum einer kann etwa für Städte wie Wuppertal die Wahl von Delegierten nachvollziehen. Ortsvereine sind gerade für junge Menschen nicht attraktiv. Wir brauchen die Möglichkeit, sich projekt- und themenbezogen zu engagieren. Sowohl lokal als auch auf Bundesebene. Engagierte Menschen sollten mitstimmen dürfen. Auch ohne die Ochsentour durch den Ortsverein. Als Parteimitglied ist man oft nur Zuschauer. Dies zu ändern ist zentrale Aufgabe der Reform. Die Idee, lokal mehr auf inhaltsorientiertes „Organizing“ statt auf Verwaltung zu setzen, kann dazu auch beitragen. Politik machen statt von Sitzung zu Sitzung zu eilen.

Ganz klar, nicht jeder Punkt aus dem Papier des Parteivorstandes muss so umgesetzt werden. Zum Beispiel die Mindestgröße für Ortsvereine. Und es geht nicht ganz ohne Verwaltung. Aber warum nicht themenbezogene Arbeitskreise auf Stadtebene, die auch die Arbeit der Fraktionen und Ausschussarbeitsgruppen erfrischt. Wir brauchen einen Mentalitätswandel – weg von einem Funktionärsclub und hin zur Mitmachpartei. Strukturen sind so festgewachsen, die Parteireform ist unbedingt notwendig.

Übrigens, ich bin auch für die Einbindung von Nicht-Mitgliedern. Und wenn es nur um Meinungen geht und die Entscheidung über Kandidaturen bei den Mitgliedern verbleibt. Wichtig ist es, möglichst viele Menschen und Mitglieder einzubinden. Es stärkt die Mitgliedschaft, wenn Entscheidungen weniger in geschlossenen Vorständen oder Klüngelrunden beschlossen werden. Kaum bekannt ist auch, dass diese Öffnung auch in unseren Schwesterparteien geplant ist. Zum Beispiel für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2012. Die Öffnung ist auch deshalb überzeugend, weil die SPD mit ihrer Regierung immer für Erneuerung steht, die auch von der Gesellschaft getragen wird. Zudem wünsche ich mir, dass auch Menschen ohne Parteibuch ernst genommen werden und frühzeitig in den Wahlkampf eingebunden werden.

Man hört, eine Öffnung für Nicht-Mitglieder senke die Attraktivität der Mitgliedschaft. Verheimlicht wird aber: Die Mitgliedschaft beschränkt sich oft auf Wahlen im Ortsverein. Genau das muss sich ändern.

Ein Kommentar zur Islamkonferenz

// April 15th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

von Selim Akgül

Der Islam gehört zu Deutschland! Auch wenn diese nüchterne Zustandsbeschreibung der multikulturellen und interreligiösen Gesellschaft Deutschlands absolut zu zu stimmen gilt, so fällt es jedoch in Anbetracht der aktuellen, zum Teil sehr populistischen Debatten rund um die Thematik des Islam, schwer diese Aussage seitens der Politik erneut zu verifizieren. Mit der Gründung der Islamkonferenz im Jahr 2006 sollte den Muslimen ein Sprachrohr für die Öffentlichkeit gegeben werden. Wir müssen allerdings mit Sorge betrachten, dass es nicht mehr um die Sache geht, sondern viel mehr um Profilierung von Parteifunktionären oder um die leidigen Diskussionen, wer, woher und warum an dieser Konferenz teilnimmt.

Die Moscheen in Deutschland sind weiterhin keine Körperschaften des Öffentlichen Rechts und gelten daher rechtlich nur als Vereine, die fernab von zentralen Lagen angesiedelt sind. Im Allgemeinen verfügen die Imame immer noch nicht über ausreichende Sprachkenntnisse, was nicht zuletzt mit den fehlenden Strukturen zur Ausbildung von Imamen in Deutschland zusammenhängt. Nur selten gibt es an Schulen Islamunterricht; damit fehlt die Möglichkeit die jungen Muslime, denen ebenfalls die Zukunft in Deutschland gehört, aufzuklären und in die Gesellschaft zu integrieren.

Das größte Risiko jedoch besteht darin, dass der Islam ein wachsendes Imageproblem hat und von der Mehrheitsgesellschaft als fremd empfunden wird. Die Islamkonferenz soll Sprachrohr der in Deutschland lebenden Menschen sein und somit verhindern, dass die Muslime sich splitten oder gar sich durch undemokratische Extremisten vertreten lassen. Konsensual getroffene Entscheidung, die dem Wohl aller Muslime in Deutschland dienen, sollen als legitimierte Positionen verstanden werden und nicht als ungerechtfertigte Anforderungen.

Die Gründung dieser Konferenz war ein Meilensteil in der Islamfrage Deutschlands, nun muss entsprechendes Handeln der Akteure der Konferenz und Politik folgen, um die nicht ohne hin enttäuschten Bürgerinnen und Bürger zur Resignation zu zwingen. Feste Beschlüsse der Konferenz, die seitens der Politik umgesetzt werden, wären vergleichsweise der Ezan des Müezzin zum Fastenbrechen im Ramadanmonat, der die Zeit des Verzichts und Unterlassens von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang beendet.