Posts Tagged ‘SPD’

„Parteireform ist, was du draus machst!“

// Juni 17th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

Ein Kommentar von Jan Philipp Peter.

Die Debatte über die geplante Parteireform wird mittlerweile fast überall geführt, doch was bedeutet das überhaupt? Und über was diskutieren wir da überhaupt?

Es macht den Eindruck, als diskutiere/streite man in Berlin (oder auch in der SPD im Allgemeinen?) lieber über Parteireformen als über Inhalte. Es ist auch einfacher, den schwarzen Peter einfach weiterzuschieben. Das ist die Kultur der SPD geworden: Immer waren es die anderen.

Ich persönlich sehe in diesem plötzlichen Aktionismus nur einen weiteren Beleg dafür, dass etwas in der SPD grundlegend schief läuft. Mit einer Parteireform wird man die Probleme an vielen Stellen einfach nicht lösen können. Vielmehr wirft man eine Lösung in den Raum, ohne die eigentlichen Probleme zu kennen. Beliebt sind solchen reflexartigen Ideen sind ja die Quoten. Wir haben dann also vielleicht bald eine Migranten- und Frauenquote bei Funktionären und Mandatsträgern.

Sollte man sich nicht viel eher fragen, warum die Mitgliedschaft und Mitarbeit in der SPD für diese beiden Gruppen aktuell unattraktiv ist? Erst wenn man diese Gründe kennt, kann man an diesem Punkt arbeiten. Aber ich gebe zu: Wenn man mal eben eine Quote einführt, muss man nicht nachdenken und nicht das Gespräch mit den Betroffenen suchen.

Man sollte sich meiner Meinung nach darauf besinnen, was unsere Partei überhaupt ausmacht (oder ausmachen sollte).
Für den Alltag der meisten Mitglieder ist es doch völlig irrelevant, welche Quoten es für irgendwelche Gesellschaftsgruppen gibt oder wie groß irgendwelche Gremien in Berlin sind.

Immer wieder beschwört man den Status der Ortsvereine als Basis der Partei. Der Ort der Meinungsbildung. Hört sich doch super an. Doch wie sieht die Realität aus?

Wenn Ortsvereine überhaupt aktiv sind, wird in Stammtischmanier diskutiert. Das was der Parteivorstand als Parteilinie vorzugeben versucht, stammt doch ehrlich betrachtet in den seltensten Fällen aus inhaltlicher Arbeit in irgendeinem Ortsverein. Das ist schon lange Sache intransparenter „Think Tanks“.

Und selbst bei der geplanten Umstrukturierung geht der Parteivorstand, der ja so viel verändern möchte, mit denkbar schlechtem Beispiel voran: Anstatt Mitglieder aktiv in den Prozess der Veränderung einzugliedern wird hinter geschlossenen Türen diskutiert und alles über die Presse kommuniziert. Bis heute ist für das ottonormal-Mitglied nicht mehr über die Vorhaben zu erfahren als es die Tageszeitungen und Magazine hergeben. Und das ist auch traurige Realität bei anderen Themen: Was in der SPD passiert, erfährt man zuerst von den Medien.

Ich weiß, welcher Einwand jetzt von der Parteispitze kommt: Man habe ja diesmal die „Basis“ integrieren wollen. Es gab ja ein Treffen, an dem ja örtliche Funktionäre hätten teilnehmen können (was aber nur die wenigsten getan haben). Aber:
Ich kann doch nicht ernsthaft von den Funktionären, die seit je her von den verfahrenen Parteistukturen profitieren und ohne Probleme mit ein bisschen Klüngelei ihre Posten halten konnten, eine Diskussion über Ihre eigene Entmachtung führen lassen. Die Kritik an dem Vorhaben, die Gremien aus Bundesebene zu verkleinern, stieß deshalb ja auch nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den betroffenen Personen. Anstatt sich konstruktiv zu beteiligen fiel die Reaktion häufig wie „Was, unser Posten fällt weg? Dagegen!“ aus. Da hätte man sich das Treffen auch direkt sparen können.

Ansich ist es mir völlig egal, ob es irgendwelche Leute gibt, die Ihre Macht behalten möchten. Mir ist es egal, ob der Parteivorstand 45, 20 oder 400 Mitglieder hat. Was mir aber nicht egal ist: Wenn diese Funktionäre meine persönliche Parteiarbeit verhindern, nur um Ihre Macht zu erhalten. Und es ist ja wohl völlig klar, dass Nahles und Gabriel sich nicht selbst entmachten möchten. Vielmehr stärken sie doch durch weniger Stimmen ihr persönliches Gewicht.

Eine „Machtreform von oben“ ist ein Widerspruch in sich, so wünschenswert er sie auch sein mag. Ich finde außerdem, dass „Reform“ ein zu bürokratischer Begriff ist. Es geht um das Miteinander in der Partei. Es muss ein Miteinander geben, das über den Stammtisch hinausgeht. Es muss ein Miteinander geben, das den vielfältigsten Meinungen und Interessen in unserem Land ein Zuhause gibt. Es muss ein Miteinander geben, das einem Parteimitglied mehr als das Gefühl zu geben, man sei nur Geldgeber und Marionette bei Wahlkämpfen.

Dieses Miteinander erreicht man nicht durch einen Beschluss in Berlin oder einen Antrag in Wuppertal. Dieses Miteinander muss gelebt werden. Das bedeutet viel Arbeit. Aber ist nicht jeder von uns Mitglied dieser Partei geworden, um auch etwas zu tun? Warum sich nicht selbst fragen, ob man vielleicht im Weg steht, diese Partei zu verändern und damit deren Erhalt für die nächsten 150 Jahre zu sichern?

Vielleicht schafft man es dann ja tatsächlich, auf kommunaler Ebene den Gedanken des Miteinanders zu etablieren. Dann klappt es wahrscheinlich auch wieder mit neuen Mitgliedern. Was aber viel wichtiger ist: Man verhindert nicht mehr, dass sich Mitglieder engagieren. Zu keiner Zeit denkt man bei der aktuellen Debatte daran, dass bereits jetzt ein erhebliches Potential in den Mitgliederlisten schlummert, das nicht genutzt wird.

Daher finde ich, dass es an uns – an jedem einzelnen Mitglied dieser Partei – gelegen ist, für eine offenere Kultur in vielerlei Hinsicht und damit auch für eine Gemeinschaft zu sorgen. Schließlich sind wir doch alle Mitglied dieser Partei geworden, um etwas zu verändern. Und nicht, um selbst verändert zu werden.

“Parteireform ist lebensnotwendig”

// Juni 17th, 2011 // Kommentare deaktiviert // Aktuelles

Ein Kommentar von Andreas Helsper.

Seit einigen Wochen diskutieren wir über die geplante Parteireform der SPD. Aber ist diese überhaupt notwendig? Oder sind Inhalte entscheidend, der Rest läuft dann von selbst? Meine Meinung ist klar: Die Parteireform ist für die Sozialdemokratie lebensnotwendig.

Politik verändert sich. Wir haben heute insgesamt gute Sozialversicherungen, deren Einführung war einmal das zentrale Ziel der Partei. Die Amerikaner sind gut, die Russen böse – dieses Weltbild war einmal. Deutschland will und kann in Europa und der Welt mehr gestalten. Die Themen heute sind vielseitig und komplex. Die einen engagieren sich für den Atomausstieg und die Energiewende, die anderen für Menschenrechte und eine gerechtere Weltordnung. Oder für bessere Bildung. Ganz klar, im Grundsatz sozialdemokratisch. Noch vor 30 oder 40 Jahren hatte die SPD das Monopol für diese Themen. Heute konkurrieren wir mit anderen Parteien wie Grüne oder Linken. Und nicht nur das, auch Organisationen wie Amnesty, Attac oder die Kirchen machen soziales und politisches Engagement möglich und nehmen in ihrer Bedeutung zu. Ganz zu schweigen von sozialen Bewegungen wie jetzt für den Atomausstieg. Engagement unkompliziert und ohne starre Strukturen.

Genau deshalb muss die SPD ihre Strukturen öffnen. Der Ortsverein in verrauchten Hinterzimmern ist sicherlich überspitzt, doch kaum einer kann etwa für Städte wie Wuppertal die Wahl von Delegierten nachvollziehen. Ortsvereine sind gerade für junge Menschen nicht attraktiv. Wir brauchen die Möglichkeit, sich projekt- und themenbezogen zu engagieren. Sowohl lokal als auch auf Bundesebene. Engagierte Menschen sollten mitstimmen dürfen. Auch ohne die Ochsentour durch den Ortsverein. Als Parteimitglied ist man oft nur Zuschauer. Dies zu ändern ist zentrale Aufgabe der Reform. Die Idee, lokal mehr auf inhaltsorientiertes „Organizing“ statt auf Verwaltung zu setzen, kann dazu auch beitragen. Politik machen statt von Sitzung zu Sitzung zu eilen.

Ganz klar, nicht jeder Punkt aus dem Papier des Parteivorstandes muss so umgesetzt werden. Zum Beispiel die Mindestgröße für Ortsvereine. Und es geht nicht ganz ohne Verwaltung. Aber warum nicht themenbezogene Arbeitskreise auf Stadtebene, die auch die Arbeit der Fraktionen und Ausschussarbeitsgruppen erfrischt. Wir brauchen einen Mentalitätswandel – weg von einem Funktionärsclub und hin zur Mitmachpartei. Strukturen sind so festgewachsen, die Parteireform ist unbedingt notwendig.

Übrigens, ich bin auch für die Einbindung von Nicht-Mitgliedern. Und wenn es nur um Meinungen geht und die Entscheidung über Kandidaturen bei den Mitgliedern verbleibt. Wichtig ist es, möglichst viele Menschen und Mitglieder einzubinden. Es stärkt die Mitgliedschaft, wenn Entscheidungen weniger in geschlossenen Vorständen oder Klüngelrunden beschlossen werden. Kaum bekannt ist auch, dass diese Öffnung auch in unseren Schwesterparteien geplant ist. Zum Beispiel für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2012. Die Öffnung ist auch deshalb überzeugend, weil die SPD mit ihrer Regierung immer für Erneuerung steht, die auch von der Gesellschaft getragen wird. Zudem wünsche ich mir, dass auch Menschen ohne Parteibuch ernst genommen werden und frühzeitig in den Wahlkampf eingebunden werden.

Man hört, eine Öffnung für Nicht-Mitglieder senke die Attraktivität der Mitgliedschaft. Verheimlicht wird aber: Die Mitgliedschaft beschränkt sich oft auf Wahlen im Ortsverein. Genau das muss sich ändern.

Mach mit – Sei Bell!

// Juni 22nd, 2009 // 4 Comments » // Allgemein

Liebe Freundinnen und Freunde,

am 30. August findet in NRW die Kommunalwahl 2009 statt und wir wollen dafür sorgen, dass in Wuppertal der neue Oberbürgermeister Dietmar Bell heißen wird. Bitte helfen Sie uns dabei und werden auch Sie “Bell”.

Sind Sie ein politisch interessierter Stammtisch? Treffen Sie sich regelmäßig mit Ihrem Verein? Tagt hin und wieder ihre Mütter- und/oder Vätergruppe? Egal in welcher Kombination sich Ihre Gruppe trifft, schicken Sie uns eine Email mit Ihrem Namen und Ihrer Telefonnummer und Dietmar Bell wird Sie besuchen, um mit Ihnen zu reden, zu sprechen, zu diskutieren.

Und wenn Sie eine ganz besondere Gruppe sind, dann kommen wir mit der Kamera dazu.

Machen Sie mit – Seien Sie Bell und schreiben Sie an: besuch (at) wirsindbell.de

Herzlichst, Stephan Braun

Studiengebühren verbessern nicht die Lehre

// Mai 28th, 2009 // Kommentare deaktiviert // Allgemein

Studiengebühren wurden von den unionsgeführten Ländern seinerzeit unter dem Vorwand eingeführt, die Qualität der Lehre zu verbessern. Nun zeigt sich: Die Unionsfinanzminister nutzen sie in erster Linie als Einsparmöglichkeit. (weiterlesen …)

Schuldenbremse muss kommen!

// Februar 10th, 2009 // Kommentare deaktiviert // Allgemein

In der Diskussion um das Konjunkturpaket II wurde auch über eine so genannte Schuldenbremse diskutiert, und auf diese hat sich die Föderalismusreform II geeinigt. Ich halte die Schuldenbremse für unbedingt notwendig.

Den Artikel bei vorwaerts.de lesen.


Bild: m.p.3. unter CC